Macht die Location das Studio?

by Samuel Lottner

Ein neuer „Digital Hub“ – wieder. Diesmal in Amsterdam. Diesmal IKEA.

Eine großartige Entscheidung, wie ich finde. Vor allem aus Sicht der Standortwahl. Neben Berlin ist Amsterdam der zweite große Hotspot in und um Deutschland, wenn es um die Themen Digitalisierung, Innovation und Design geht. 

Kreative Schmelztiegel, wie sie eben auch genannt werden. Aber das ist durchaus positiv gemeint. Denn wenn mich jemand fragen würde, ob die Wahl des Standorts eine entscheidende Rolle spielt, gäbe es für mich nur ein klares “Ja” als Antwort. Vor allem, wenn es um den kreativen Output eines Studios geht.

Karte von Studios

Quelle: Mannheimer Unternehmenspanel, ZEW, 2019 und eigene Berechnungen ZEW.

 

Kreativität und Problemlösungskompetenz sind nämlich nach wie vor entscheidende Erfolgsfaktoren für die Produkte und Dienstleistungen der Kreativwirtschaft, in welcher Form auch immer. Durch diese inhouse Kompetenzen profitieren nicht nur die Unternehmen und Studios selbst, sondern eben auch deren Kooperationspartnern/Kunden und Zulieferer. Umgekehrt können sich aber auch Unternehmen und Agenturen durch gemeinsame Projekte und Kooperationen kreativen Input und Inspiration für eigene Projekte holen. 

“Vernetzung. Kommunikation. Wissenstransfer”

Dementsprechend liegt auch einer der maßgeblichen Faktoren, der für Standorte wie Berlin, Amsterdam, teilweise auch München, etc. spricht, auf der Hand. Vernetzung. Kommunikation. Wissenstransfer. Der gelebte Austausch auf Meetups, Creative Mornings sowie kleinen oder großen Konferenzen ist neues Futter für die eigenen Gedanken und Ideen. 

Apropos gelebter Austausch. Auch der weiche Faktor Mensch hängt erheblich mit dem Standort auf der einen und natürlich dem kreativen Output auf der anderen Seite zusammen. Ich kenne keine deutsche Stadt die so „drüber“ (im positiven Sinne) ist, wie Berlin.  

Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Weltbildern, Ansichten und Denkweisen. Der hochgelobte Blick über den Tellerrand, der so oft nicht gemacht wird. Wieso sollen wir den auch machen, wenn noch niemand aus dem Team mir sagen kann, wie es denn dort aussieht. 

Außerdem ist die Grundstimmung einfach eine ganz andere. Die Atmosphäre und das Wissen, dass man als Designer direkt in so einem Schmelztiegel ist, unter Menschen mit ähnlichen Interessen in ähnlich kreativen Berufen wird wohl auch eine Rolle spielen – nicht zuletzt, um Mitarbeiter und Talente anzuziehen. Für Ikea wäre es sicherlich eine größere Herausforderung gewesen in Greifswald einen Innovation Hub mit Leuten zu füllen. 

Irgendwo sind das natürlich alles offensichtliche Punkte, klar. Ob es jetzt die Leute, die Kommunikation mit Branchenkollegen oder einfach die Standortattraktivität für neue Mitarbeiter ist. Nichtsdestotrotz scheuen sich zu viele Unternehmen noch davorden Gründungsort oder Hauptstandort zu verlassen, geschweige denn das Land zu wechseln 

Was ich damit sagen will: 

Standorte wie Amsterdam beispielsweise werden ihrem Ruf als Kreativstandort definitiv gerecht.  IKEA hat meiner Meinung nach mit ihrer Wahl sehr viel richtig gemacht. 

Die Frage ist ja eher, ob die Bedeutung, solcher Ballungsräume aus kreativen Gesichtspunkten zunimmt oder mit remote Konzepten langsam aber sicher weniger wird. Die Zeit wird’s zeigenwas meinen Sie?